Die Statistiken verdeutlichen die Bedeutung der Schifffahrt, die rund 90 % des interkontinentalen Warenverkehrs abwickelt: Fast 55.000 Handelsschiffe bemannt mit über einer Million Seeleuten beförderten im vergangenen Jahr gemäß IHS Fairplay/ISL knapp 8,4 Millionen Tonnen Güter über die ganze Welt. Täglich werden gewaltige Vermögenswerte sicher an ihren Bestimmungsort gebracht mit dem Anspruch von Sicherheit, Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit über die gesamte Transportkette und über eine Vielzahl hoheitlicher Grenzen hinweg.
Über die vergangenen Jahre hat die maritime Industrie maßgebliche Fortschritte erzielt, die Schifffahrt im Wandel der Zeit sicherer und effizienter zu gestalten. Neue Technologien wurden entwickelt und neue Märkte geschaffen. Seither haben Schiffsunfälle überproportional abgenommen, wenngleich die Flotte zeitgleich stark angewachsen ist. Dennoch wird jeder einzelne Unfall im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern besonders kritisch von der Öffentlichkeit wahrgenommen, da Unfälle im See- wie auch im Flugverkehr naturgemäß ein hohes Potenzial an folgenschweren Auswirkungen haben.
Die Schifffahrt ist eine der ersten Industrien, die weitreichende internationale Sicherheitsstandards erfolgreich umgesetzt hat und kontinuierlich fortschreibt.
Aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung befassen sich Vertretungsstellen der Vereinten Nationen, im Speziellen die Internationale Weltschifffahrtsorganisation IMO mit der Sicherheit in der Schifffahrt. Sie hat umfassende Konventionen für den maritimen Sektor erlassen, die sich den Themen der Sicherheit der Besatzungen, der Schiffe und der Verhütung der Meeresverschmutzung annehmen und weltweit Anwendung finden.
Die Erwartungen an die Sicherheit nehmen mit den Herausforderungen der heutigen Zeit zu: Die steigende Anzahl von Piratenangriffen und terroristischen Übergriffen erfordern neue Sicherheitskonzepte, an denen die Schifffahrt mit Nachdruck arbeitet. Darüber hinaus steht der Beginn des 21. Jahrhunderts vorwiegend unter dem Einfluss des fortschreitenden Klimawandels und der daraus resultierenden Umweltmaßnahmen sowie veränderter, politischer Rahmen- und Marktbedingungen nach der Weltwirtschaftskrise von 2009.
Der Faktor Mensch
Inzwischen ist ein Frachtschiff ein sehr komplexes System, das mit technischer Zuverlässigkeit allein nicht zu beherrschen ist. Kommandobrücken sind zunehmend hoch automatisiert und ihre Bedienung erfordert entsprechend qualifiziertes Personal. Erst das perfekte Zusammenspiel von fachlicher Kompetenz und einem funktionierenden Teamwork in Verbindung mit der Leistungsfähigkeit technischer Systeme maximiert Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit im Schiffsbetrieb. Regelmäßige, gezielte Sicherheitstrainings sollen das richtige Verhalten schulen und sind fester Bestandteil des Bordalltags.