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Ein Kraftwerk im Schiff

125 Jahre Motorschifffahrt



Vielfach werden wir schon mit dem Schiffsnamen auf seinen Antrieb aufmerksam gemacht. Das vorangestellte MS bezeichnet, um was es sich handelt: Um ein Motorschiff. Generell betrachtet sind heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, rund 97 % aller großen Schiffe Motorschiffe, die auch „gegen den Wind“ zuverlässig eingesetzt werden können. Die größten Schiffsdieselmotoren leisten dabei mehr als 100.000 PS. Von diesen Dimensionen ahnte Nicolaus August Otto vermutlich nichts, als er 1876 den Ottomotor patentieren ließ. Der erste Viertaktmotor mit Fremdzündung sollte nach der Idee des Erfinders lediglich als kleiner Antrieb zur Ergänzung von Dampfmaschinen dienen. Erst die weiterführende Entwicklung zu schnelllaufenden Ottomotoren durch Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach im Jahr 1886 bescherten dem Motor den Durchbruch – und damit auch der Motorschifffahrt. Als im Jahr 1888 der Hamburger Freihafen eröffnet wurde, nutzte Gottlieb Daimler die Gelegenheit, dort sein erstes Motorboot vorzustellen. Das sieben Meter lange Holzboot mit einem 2 PS-Motor fand großen Anklang. Es wurde der Urtyp der Hamburger Hafenbarkasse, die noch über viele Jahre gebaut wurde.

Die Motorisierung der Handelsschifffahrt
Zu einem leistungsstarken Schiffsantrieb für die Handelsschifffahrt entwickelten sich die mit Benzin- oder Petroleum angetriebenen Motorboote allerdings erst, als es gelang, eine Umkehrvorrichtung zu konstruieren. Nachdem sich der Motorantrieb bei kleinen Wasserfahrzeugen durchsetzen konnte und der Ottomotor auch als Hilfsantrieb für Segelschiffe Verwendung fand und bei Großseglern die Dampfmaschine ersetzte, begann zu Anfang des 20. Jahrhunderts der Siegeszug des Dieselmotors als Schiffsantrieb. Überzeugend war vor allem sein hoher thermischer Wirkungsgrad von 35-46 %, während Dampfmaschinen nur ca. 15 % der Brennstoffenergie ausnutzten, aber ebenso der Raumgewinn durch den Wegfall von Kesselanlage und Kohlebunker, die einfache Brennstoffübernahme und weniger Maschinenpersonal.

Die Weiterentwicklung zum Kraftwerk
Ab den 1950er Jahren dominierten im Schiffsneubau Dieselmotorschiffe, da sie einen höheren Wirkungsgrad, den besagten geringeren Platzverbrauch und niedrigeren Materialaufwand hatten. Die großen Dieselmaschinen ermöglichten inzwischen eine Brennstoffausnutzung von 50 %. Unterschiedliche Motorkonstruktionen mit Direkteinspritzung, Wirbelkammer- und Vorkammermotoren dienten dem Antrieb von Schiffen. Anfang der 1960er Jahre lag die Leistung eines Schiffsdiesels bei ca. 25.000 PS, die z.T. durch Abgasturboaufladung erzielt wurde. Die Einführung des Containers als standardisiertes Transportmittel, die die Effizienz und Produktivität des Seeverkehrs erheblich gesteigert hat, erforderte höhere Antriebsleistungen aufgrund immer größerer Schiffe mit höheren Ladekapazitäten. Die Einführung der Elektronik trug zum nächsten Leistungssprung des Dieselmotors bei, eine elektronisch geregelte Einspritzung realisierte die Common Rail Technologie und damit kraftvolle 100.000 PS starke Dieselmaschinen.

Und heute?
Niedriger Kraftstoffverbrauch, hohe Leistungsdichte und einfache Bedienung waren die Vorzüge der Verbrennungsmotoren, die damit alle anderen Kraftmaschinen ablösen konnten. Inzwischen ist ein weiteres nachhaltiges Leistungskriterium hinzugekommen: Die Senkung von Schadstoffemissionen. Anfang 2011 hat ein fünfjähriger Prozess begonnen, mit dem die von der IMO festgelegten Schadstoffemissionen von Schiffsmotoren bis zu 80 % gesenkt werden müssen. Die gewaltigen Erfolge in der Motorschifffahrt seit 1886 haben den mit Abstand wirtschaftlichsten Gütertransport erst ermöglicht und leiten heute zugleich den Beginn einer neuen Epoche ein im Hinblick auf die zu erwartenden Fortschritte beim Umweltschutz, bei Leistung und Wirkungsgrad sowie bei einer verbesserten Einsatzflexibilität der Motoren.

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