Ein Ankerplatz für Seeleute

Arbeit der Seemannsmission ist sehr geschätzt



Die neue Seafarers’ Lounge im Kreuzfahrtterminal der HafenCity Hamburg soll ein Ankerplatz für Seeleute und eine Anlaufstation für Menschen sein, die einen Ort der Ruhe und Besinnung suchen. Das Anliegen der Seemannsmissionen: Dem Hafen ein menschliches Gesicht zu geben und den Aufenthalt so sinnvoll und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Die Stärkung der Würde des Seemannes – Support of Seafarer's Dignity – ist Leitbild und Herausforderung der unter evangelischer Trägerschaft stehenden Deutschen Seemannsmission. Die älteste wurde übrigens vor über 150 Jahren in Bremen gegründet. Das katholische Pendant bildet die Organisation „Stella Maris“, die auch über ein internationales Netz an Stationen verfügt.

Mehr als eine Million Seeleute leben und arbeiten auf dem Transportmittel Nummer 1, dem Schiff, und damit in einer von Technik geprägten Arbeitswelt auf engstem Raum. Sie arbeiten sieben Tage in der Woche und sind monatelang fern von Heimat und Familie, ohne ihre gewohnte kulturelle Umgebung und Sprache. Sie sind ständig unter Fremden und stets aufs Neue unterwegs in die Fremde. Umso mehr freuen sich die Seeleute, wenn die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Seemannsmissionen während der oft nur kurzen Hafenliegezeiten mit Zeitungen, in denen natürlich zuerst die Sportergebnisse und die Wechselkurse gelesen werden, an Bord kommen. Oft unterhält man sich über ihr Zuhause, ihre Kultur und über das Alltags-Leben auf dem Schiff.

Diese Bordbesuche werden von den Crews in der Weihnachtszeit besonders geschätzt, denn die Mitarbeiter der Seemannsmission kommen häufig nicht mit leeren Händen. Kleine Geschenkpäckchen, u.a. gefüllt mit Telefonkarten und anderen kleinen süßen Aufmerksamkeiten, bereiten große Freude. Besonders beliebt sind die Telefonkarten – nicht nur zur Weihnachtszeit, aber dann eben besonders. Nach Hause telefonieren zu können hat für sie eine große Bedeutung. Auf diese Weise können sie wenigstens ein bisschen in Kontakt mit dem Alltagsleben ihrer Lieben bleiben. Wenn man Weihnachten schon nicht zusammen feiern kann, möchte man wenigstens voneinander hören.

Wenn die Gelegenheit zu einem Landgang gegeben ist, werden die hafennahen Seemannsclubs- und heime auch selbst gerne besucht. Die neue Seafarers’ Lounge verfügt über internetfähige Computer oder Andockstationen für Laptops, über die Möglichkeit preiswerter Telefonate sowie über Freizeit-, Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten.

Seemanspastor Walter Köhler erläutert dazu: „Durch die ISPS-Sicherheitsvorschriften kann man sich leider nicht mehr so frei wie früher im Hafen bewegen. Für Besatzungsmitglieder ist es schwieriger geworden, das Schiff zu verlassen. Umgekehrt kommen Besucher nicht mehr so leicht an Bord. Heute liegen die Schiffe hinter einem hohen Zaun. Kein Wunder, dass sich die Seeleute manchmal isoliert fühlen. Umso wichtiger ist es, dass man als Schiffspastor einmal zusätzlich an Bord geht und nachschaut, wie es den Leuten geht.“ Das Gefühl der Isolation wird laut Köhler auch dadurch verstärkt, dass die Liegezeiten immer kürzer wer den und die Umschlagterminals sich weit außerhalb vom Stadtzentrum befinden.

Die Deutsche Seemannsmission betreibt 17 Stationen in Deutschland und weitere 20 in Europa mit rund 700 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Ihr Hauptsitz ist in Bremen. Sie ist der „International Christian Maritime Association“ angegliedert und besteht seit 1898. In Deutschland sind die Missionen als gemeinnützige Vereine organisiert, werden aber letztlich von evangelischen Landeskirchen unterhalten, die zunehmend in Finanznöten sind. Wurden im Jahr 2008 noch 130.000 Euro an Mitteln vom Bund zur Verfügung gestellt, so kürzte sich dieser Betrag deutlich auf 35.000 Euro für dieses Jahr. 2011 sollen sie ganz eingestellt werden. Wirtschaft und Reedereien sowie die politischen Stellen im Nahbereich unterstützen die Arbeit der Seemannsmissionen. Die traditionelle Sammlung auf dem Bremer Kapitänstag am 3. September dieses Jahres hat die Rekordsumme von 18.560 Euro für die Bremer Seemannsmission eingebracht. Wer darüber hinaus eine Brücke vom Land zur See schlagen möchte, erhält mehr Informationen über die Arbeit der Deutschen Seemannsmission sowie über Möglichkeiten der Unterstützung unter: www.seemannsmission.org

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