Der Ende März verabschiedete Zusatz zu MARPOL VI wird ab August 2011 eine 200-Meilen-Zone rund um Nordamerika in Kraft setzen, in der nur Schiffe verkehren dürfen, deren Treibstoffe einen Schwefelanteil von maximal 0,1 Prozent enthalten.
Mit dieser „Emission Control Area“ (ECA) geht die IMO noch einen Schritt über die von MARPOL bereits ausgewiesenen SECA (Sulphur Emission Control Area) hinaus. In den heute geltenden SECA-Gebieten – sie umfassen die Ost- und Nordsee sowie den Ärmelkanal – ist seit Juli 2010 ein Schwefelgehalt im Brennstoff von maximal 1,0 Prozent erlaubt. Ab Januar 2015 liegt der zulässige Wert dann wie in Nordamerika nur noch bei 0,1 Prozent.
Die Regulierung dieser Emissionen ist durch die Motorenkonstruktion praktisch nicht beeinflussbar. Deshalb ist die IMO mit dem MARPOL Annex VI dazu übergegangen, die Schwefelgrenzwerte für jeglichen an Bord eingesetzten Brennstoff festzulegen. Die Dieselmaschinen seegehender Handelsschiffe – langsam drehende 2-Takter – werden mit Schweröl (HFO – Heavy Fuel Oil) betrieben, bei dem ein Schwefelanteil bis 4,5 % erlaubt ist. In den SECA-Gebieten muss demnach ein anderer, schwefelarmer Treibstoff (Low Sulphur Fuel) gefahren werden, um die dortigen strengen Grenzwerte einzuhalten. Generell besteht überdies die Möglichkeit, den Schwefel aus den Abgasen auszuwaschen. Dazu sind jedoch aufwändige Waschanlagen erforderlich, so dass sich der Einsatz dieser Anlagen nur bei Schiffen lohnt, die regelmäßig in SECA-Gebieten verkehren, wie z.B. Fähren.
Rechtzeitig umschalten
In der Praxis bedeutet dies nun vor der Einfahrt in die SECA – und künftig nun auch in die nordamerikanische ECA – die Brennstoffversorgung der Schiffe umzustellen auf schwefelarmen Treibstoff. Was umweltpolitisch durchaus sinnvoll ist, stellt aufgrund der Vielzahl der Varianten den Praktiker vor große Aufgaben. Denn heute zwei, künftig drei oder vier Sorten Brennstoff mit unterschiedlichem Schwefelgehalt an Bord zu bunkern – das erfordert schlichtweg ebenso viele Tank- und Leitungssysteme!
Die Hansa Mare-Schiffe sind nur mit einem Brennstoffsystem ausgerüstet, weshalb man sich rechtzeitig auf die Einfahrt in ein SECA-Gebiet einstellen muss. Im Vorfeld gilt es, den Bestand im Setztank, aus dem sich die Separatoren den Brennstoff holen, langsam herunterzufahren. Anschließend wird aus dem Bunkertank schwefelarmer Treibstoff in den Setztank gepumpt. Da erhebliche Mengen Brennstoff in dem Brennstoffsystem zirkulieren, kommt es zu einer Mischphase und daher kann es bis zu zwei Tagen dauern, bis das System vollständig auf „Low Sulphur Fuel“ umgestellt worden ist.
Diese Mischphasen sind in dem Maße kritisch, dass rechtzeitig vor Erreichen der SECA mit der Umstellung begonnen werden muss, um sicherzustellen, dass die gesetzlichen Vorgaben in den SECAGebieten eingehalten werden können. Brennstoffmengen in den Tanks sowie Datum, Uhrzeit und Schiffsposition müssen für den Zeitpunkt, an dem die Umstellung abgeschlossen ist, schriftlich in geeigneter Form (Log-Book) festgehalten werden.
Die großen Motorenhersteller haben damit begonnen, technische Lösungen für diesen Umstellungsprozess anzubieten. So hat auf dem diesjährigen Senior Officers` Seminar der Hansa Mare Reederei der Motorenhersteller MAN den anwesenden Leitenden Ingenieuren einen neu entwickelten so genannten „Diesel-Switch“ vorgestellt. Damit soll das Umschalten zwischen den Brennstoffen bzw. den Brennstoffsystemen automatisch geregelt werden. Allerdings muss dieser Switch technisch so ausgerüstet sein, dass er den Vor- und Rücklauf regelt. Ein Schiffsdiesel verbraucht den vom Brennstoffsystem angebotenen Brennstoff nicht vollständig, sondern zieht sich nur den benötigten Treibstoff heraus, der restliche Brennstoff wird wieder ins System zurückgepumpt.
Schwefelgrenzwerte im Überblick:
International:
Seit 2005: maximal 4,5 %
Ab 2012: maximal 3,5 %
Ab 2020: maximal 0,5 %
In SECA-Gebieten:
Seit 1. Juli 2010: maximal 1,0 %
Ab 2015: maximal 0,1 %
In EU-Häfen:
Seit 1. Januar 2010: maximal 0,1 % für alle Schiffe mit Liegezeiten ab zwei Stunden