Zum ersten Mal ist im vergangenen Jahr das Meereis in Arktis und Antarktis so stark geschmolzen, dass sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage für Schiffe befahrbar waren.
Vor allem der eisfreie Nördliche Seeweg, wie die Russen die Nordostpassage nennen, bringt für die europäische Schifffahrt einen enormen Vorteil: Von der Insel Nowaja Semlja im Nordwesten Russlands führt der Weg entlang der sibirischen Küste bis in die Beringstraße. Diese 7.400 sm lange Route verkürzt die Reise von Europa nach Asien, beispielsweise von Hamburg bis Yokohama in Japan um fast 40 %. Die Fahrt durch den Suez-Kanal ist im Vergleich dazu 11.500 sm lang.
Vor allem der eisfreie Nördliche Seeweg, wie die Russen die Nordostpassage nennen, bringt für die europäische Schifffahrt einen enormen Vorteil: Von der Insel Nowaja Semlja im Nordwesten Russlands führt der Weg entlang der sibirischen Küste bis in die Beringstraße. Diese 7.400 sm lange Route verkürzt die Reise von Europa nach Asien, beispielsweise von Hamburg bis Yokohama in Japan um fast 40 %. Die Fahrt durch den Suez-Kanal ist im Vergleich dazu 11.500 sm lang.
Diese Tatsache hat die Europäische Union Ende November 2008 dazu bewogen, sich intensiver mit der Arktis zu befassen und eine „Arktisstrategie“ für eine ganzheitliche EU-Meerespolitik zu beschließen. Zumal das Staatsgebiet dreier EU-Mitgliedstaaten in die Arktis hineinragt.
Da die EU-Mitgliedstaaten über die größte Handelsflotte der Welt verfügen, liegt es im europäischen Interesse, die Voraussetzungen für einen Aufbau der Handelsschifffahrt in der Arktis zu verbessern. Die EU-Kommission will mit der „Arktisstrategie“ die volle Umsetzung von Verpflichtungen in den Bereichen Navigationsregeln, Schiffssicherheit, Routenführungs- und Umweltstandards in der Arktis fördern, insbesondere jene der Internationalen Schifffahrtsorganisationen (IMO).
Sonderregelungen einzelner Anrainerstaaten sollen daher vermieden werden, wie zum Beispiel die Benachteiligung ausländischer Schiffe bei Gebührenerhebung, bei der Verpflichtung zur Routenberatung oder bei der Eisbrecherannahme. So liegen derzeit die Gebühren für die Befahrung des Nördlichen Seeweges entlang der sibirischen Küste noch etwa bis zu sieben Mal höher als für die Fahrt durch den Suez-Kanal.
Mit einer besseren Satellitenabdeckung arktischer Meeresräume könnte man den Schiffsverkehr besser überwachen und schneller auf Notfälle reagieren, aber auch die Navigation erleichtern. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation erforscht die Kommission derzeit ein polarumlaufendes Satellitensystem, das alle von der Erde ausgehenden Signale empfangen kann. In der Arktis besteht ebenso Nachholbedarf bei der Entwicklung der nautischen Infrastruktur, aktueller Seekarten und anderer Hilfsmittel bis hin zu Werften und Häfen.
Ein weiterer Ansatz der „Arktisstrategie“ besteht darin, bestimmte Schifffahrtswege in der Arktis als besonders gefährdete Seegebiete nach den Vorschriften der IMO auszuweisen, sofern dies von einem der arktischen Küstenstaaten vorgeschlagen wird.
Auch die IMO-Umwelt- und Sicherheitsstandards, „die auf arktische Gewässer anwendbar sind“, will die EU unterstützen und verbessern. Hier ist die Schifffahrt gefordert, Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben, zu ergreifen.