In Kürze werden alle 4.000 TEU-Schiffe
der Hansa Mare Reederei an der Hauptmaschine
nach gerüstet. Ein neu entwickeltes "Pulse
Lubricating System" wird künftig dafür sorgen,
den Zylinder-Schmierölbedarf an Bord
deutlich zu senken.
Zylinderschmieröl wird, abhängig von der Last der Maschine, durch die Laufbuchse in den Kolbenraum eingespritzt.
Auf diesem Schmierfilm laufen die Kolbenringe. Dabei kommt es darauf an, so wenig Öl wie möglich einzuspritzen, um Kos ten zu sparen und eine Überschmierung zu verhindern. Im Öl sind Zusätze (so genannte Additive) enthalten, die zum Beispiel Schmutz binden und die Schmierfähigkeit erhöhen. Wenn bei der Zündung im Zylinder nun Temperaturen bis 1.800° C entstehen, verbrennen diese Additive mit Rückständen, die sich dann auf den Kolben absetzen. Die Folge: Es kommt zur Koksbildung, was im schlimmsten Fall zum Kolbenfresser führen kann, da diese Ablagerungen den Schmieröl-Film von der Zylinderlaufbuchse auswischen. Im täglichen Maschinen betrieb muss aber nicht nur darauf geachtet werden, welches Öl mit welchen Zusätzen eingesetzt wird, sondern auch welche Menge.
Der von den Motorenherstellern MAN B&W entwickelte "Alpha Lubricator" und das von Wärtsilä/Sulzer entwickelte "Pulse Lubricating System" sorgt dafür, dass Schmieröl genau dosiert eingespritzt wird. Die computergesteuerte Anlage registriert, in welcher Position sich ein Kolben befindet und führt dann gezielt zwischen dem ersten und zweiten Kolbenring Schmieröl zu. Dies geschieht mit hohem Druck, so dass das Öl sehr fein versprüht und die Zylinderlaufbuchse an der Oberfläche gleichmäßig benetzt wird. Gezielt aber dort, wo sich die Kolbenringe befinden und wo die Reibung tatsächlich stattfindet. Mit dem System lassen sich bis zu ca. 30 % Schmieröl ein sparen. Da die 4.000 TEU-Schiffe pro Tag (je nach Leistung) ca. 900 l Schmieröl verbrauchen, ist die erwartete Einsparung von ca. 250 l erheblich.
Die Installation des "Pulse Lubricating Systems" samt Dosierungs pumpen und Sensoren sowie den benötigten, zusätzlichen Rohrleitungen macht sich in kurzer Zeit bezahlt. Da die Hansa Mare Reederei bereits auf drei Schiffen der 3.000 TEU-Klasse einen "Alpha-Lubricator" von MAN B&W eingebaut hat, bestätigen erste Erfahrungen diese Kalkulation. An Bord der "Mare Africum", "Mare Gallicum" und "Mare Thracium" wird der von MAN für die dort arbeitenden Maschinen angegebene Wert einer Einsparung von 0,3 g/KW pro Stunde durchaus realisiert. Die aktuelle Ersparnis der "Mare Africum" beläuft sich zurzeit auf 33,15 % im Vergleich zum Vorjahr bei gleicher Motorleis tung und Fahrtgebiet. Die Hansa Mare Reederei wird zusätzlich eine Leistungsmessanlage an der Propellerwelle der nachgerüsteten 4.000 TEU-Schiffe einbauen, mit deren Hilfe die Leistung der Maschine zu jedem Zeitpunkt registriert wird. Denn das "Pulse Lubricating System" kann nur effektiv sein, wenn der Motor mit einer normalen Dauerleistung von 85 bis 90 % gefahren wird.
Die Nachrüstung der 4.000 TEU-Schiffe wird in Kürze beginnen. Gemeinsam mit den Inspektoren der Reederei haben die Vertreter des Herstellers bereits an Bord der "Mare Siculum" Maß genommen und eine Besichtigung im Maschinenraum durchgeführt. Die zur Nachrüstung benötigten Bauteile werden derzeit angefertigt, so dass mit dem Umbau der ersten Maschine schon bald begonnen werden kann. Wärtsilä hat das System technisch so ausgelegt, dass es in einzelnen Arbeitsschritten installiert werden kann, während sich das Schiff in Fahrt befindet. Auf See nehmen die mitreisenden Service-Ingenieure des Zulieferers die Verrohrung sowie die Pumpeninstallation vor. Die Hafenliegezeiten werden dann genutzt, um die Einspritzeinheiten an den Zylindern einzubauen, so dass es keine "off hire"-Zeiten gibt.
In Abhängigkeit der angelaufenen Häfen benötigt die Riding-Crew für den Umbau zwischen einer Woche und zehn Tagen. Die im Maschinenraum tätigen Besatzungsmitglieder geben dabei Hilfestellung aufgrund ihrer Ortskenntnis.